Neue Immobilien-Börse nordkreisimmo.de

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Brauchen wir wirklich eine weitere Immobilienplattform im Internet? Die Antwort ist Ja, ganz eindeutig.

Raus aus der Abhängigkeit von Internet-Riesen

 

Vor kurzem ging mit nordkreisimmo.de die eigene kleine Onlinebörse der Immobilienexperten im Nordkreis an den Start. Die neun regionalen Makler veröffentlichen dort künftig immer alle neuen Objekte aus dem Nordkreis Diepholz und dem Bremer Süden schon drei Tage früher als irgendwo anders.

Die Hauptaufgabe einer Plattform ist die Vermittlung von Transaktionen zwischen Kunden und konkurrierenden Anbietern im Internet. Es handelt sich also um Markt- und Austauschplätze.

Wir alle lieben Internet-Plattformen, angefangen von Ebay, über Mobile.de, Lieferando.de oder ab-in-den-urlaub.de bis hin zu Amazon. Kaum einer, der nicht zumindest eine oder einige solcher Portale regelmäßig nutzt.

Dass aber z.B. Amazon gleichzeitig schon in seinen Anfängen für die Verdrängung des lokalen Buchhandels verantwortlich gemacht wurde oder die Arbeitsbedingungen dort sehr früh schon angeprangert wurden, hat dem Erfolg nicht geschadet. Auch das sehr geringe oder gar negative Steueraufkommen dieses und vieler anderer großen Player, hält uns nicht davon ab, die angebotenen Dienste in Anspruch zu nehmen.

Der Service, der uns über eine solche Plattform geboten wird – samt der meist unschlagbaren Preise – ist oft so hervorragend, da verbietet man sich selbst jeden weiteren Gedanken darüber, auf wessen Kosten dies eigentlich geschieht.

In den letzten 1,5 Jahren hat das Außer-Haus-Geschäft bei Restaurants geboomt? Und wieviel verdient Lieferando an jeder einzelnen Pizza? Wieviel verdient eine europaweite Plattform am Pizzaservice, ohne je eine Hand in Mehl getaucht zu haben? Lt. Handelsblatt waren es 256 Mio. (bereinigter) Gewinn im letzten Jahr. Ohne irgendeine wirklich produktive Arbeit geleistet zu haben, verdienen die Plattformen mit, an jeder einzelnen Transaktion.

Grundsätzlich ist das ja kein Problem. Jeder soll soviel verdienen, wie er möchte. Bei den Plattformen ist es nur so, dass sie selbst nichts herstellen, nichts leisten, nicht wirklich etwas beitragen. Außer dass sie ihre relativ simple und eigentlich kostengünstige Logistik zur Verfügung stellen. Ausgestattet mit gigantischen Marketingbudgets ihrer Aktionäre bauen sie mit einer Überpräsenz in der Werbung einen Marktdruck auf, dem sich irgendwann die kleinen regionalen Händler und Dienstleister unterwerfen, weil ihnen die Puste ausgeht. Sie schließen sich an oder machen dicht.

Das Taxi-Verdrängungsunternehmen Uber hat mit seinen günstigen Beförderungspreisen riesige Verluste eingefahren. Mit dem Geld der Investoren im Rücken ist das aber überhaupt kein Problem. Schließlich geht es im ersten Schritt nicht um Gewinne, sondern ausschließlich um Marktanteile. So viele Mitbewerber wie möglich sollen ausgeschaltet werden. Wenn es irgendwann kaum noch Konkurrenz gibt, steigen Umsatz und Gewinn automatisch. Und dann bekommen auch die Investoren ihren Teil vom Kuchen.

Was wir viel zu spät erkennen, ist dass es vor allem die kleinen Unternehmen trifft. Und erst wenn die alle weg sind, werden wir feststellen, dass wir gar keine Wahl mehr haben. Dass es nur noch eine Handvoll Internetriesen gibt, bei denen wir unsere Bestellungen tätigen, unsere Versicherung abschließen, unseren Urlaub buchen. Und schließlich werden wir nur noch dort unsere Arbeitsplätze finden.

Wir Makler profitieren natürlich auch enorm von Plattformen wie Immowelt oder ImmoScout. Welcher Interessent möchte sich bei seiner Suche nach einem Häuschen denn schon durch 30 lokale Makler-Webseiten googlen? So ist es auch für die Makler wirklich praktisch: 2-3 Online-Börsen mit den neuen Angeboten bestücken, und es geht einem kein einziger Interessent durch die Lappen.
Dafür nimmt man dann auch die ständigen Preiserhöhungen für die zu buchenden Pakete in Kauf, man bindet sich mit Aboverträgen und hat dabei hinzunehmen, dass auf den eigenen Objektseiten neben den Infos zu den Immobilien, auch noch Werbung für Telekommunikation, für Versicherungen, Umzugsservice uvm. erscheint. Die Übersichtlichkeit der eigenen Angebote leidet durch diesen „Service“ von Immowelt und ImmoScout massiv.

Ach ja, da gibt es ja auch noch die andere Plattform-Idee, die uns mittlerweile tangieren sollte, z.B. Mc Makler. Wir sehen diese Erscheinung nicht als wirklichen Mitbewerber für uns an. Das mag auch an der ländlichen Struktur liegen, in der wir tätig sind. Vielleicht aber auch einfach daran, dass unsere „Verkäufer“ gern lokal mit bekannten Gesichtern zu tun haben.

Letztlich ist es aber ein schönes Beispiel dafür, wie eine weitere Branche von einer Plattform übernommen werden soll, vermeintlich um den Kunden zu dienen. Am Ende wird es immer weniger freie Makler geben, die ihre Geschäftspolitik eigenverantwortlich festlegen und sich ihre Reputation im direkten Vergleich mit ihren Mitbewerbern verdienen müssen. Am Ende sind alle an die Unternehmenspolitik einer Plattform und deren Aktionäre gebunden. Und das bedeutet auch für die Immobilienverkäufer und -Käufer, dass sie keine Wahl mehr haben, sondern einem Monopolisten gegenüberstehen.

Auf deutsche-startups.de findet man zu McMakler: „… Die Verluste sind aber auch weiter extrem. 2018 lag der Jahresfehlbetrag bei 19,6 Millionen. Für 2019 und 2020 sind Verluste in Höhe von zusammen rund 33 Millionen geplant. Insgesamt kommt das Unternehmen so bis Ende 2020 im schlimmsten Fall auf einen Verlust in Höhe von knapp 65 Millionen.“ Wie schon gesagt, es geht zunächst nicht um Gewinne, sondern um Verdrängung und Marktanteile.

Das Lieblingswort der Plattformbetreiber ist „Skalierbarkeit“ – die Skalierbarkeit beschreibt, wie groß man etwas aufblasen kann. Steht die Software und die Struktur von Abläufen, dann geht es nur noch um Wachstum. Die wichtigste Qualifikation, die ein Plattformbetreiber haben muss, ist dann auch keine besondere Kenntnis der jeweiligen Branche, vielmehr ist gutes Marketing gefragt, besonders wenn es um das Akquirieren neuer Investoren geht.

Wieviel Gewicht Kunden- und Mitarbeiterinteressen in solchen Unternehmen haben, kann man sich an 5 Fingern abzählen. Einige der großen Player, allen voran Amazon, stellen die Kundenzufriedenheit zwar wirklich in den Vordergrund. Die meisten Kunden sind begeistert. Aber, siehe oben, dies geht nicht zu Lasten der Gewinne, sondern zu Lasten der Mitarbeiter.

Und als ob diese Entwicklung nicht schon zerstörend genug wäre, wirken die Coronamaßnahmen wie ein Brandbeschleuniger. „Amazon-Chef Jeff Bezos, der reichste Mensch der Welt, kann sich über einen neuen Geldsegen freuen. Der Online-Riese scheffelte in den ersten drei Monaten 2021 den höchsten Milliardengewinn der Firmengeschichte.“ (tagesschau.de vom 29.4.21)

Wir meinen, dass unserer Gesellschaft sich irgendwann entscheiden muss, ob sie denjenigen gut bezahlen will, der eine wirkliche Leistung erbracht hat, oder denjenigen, der nur die Angebote sammelt und sichtbar macht.

Je größer die Verdrängung der kleinen ist, desto größer ist auch die Abhängigkeit von den wenigen verbliebenen Anbietern. Hinzu kommt, dass bei der Verlagerung von immer mehr Geschäftstätigkeit ins Internet, auch die Abhängigkeit vom Zugang dorthin eine immer größere Rolle spielt. Was, wenn der Strom ausfällt, wenn einzelne Anbieter nicht mehr erreichbar sind - vielleicht auch durch einen Hackerangriff?

Ein bisschen mehr Unabhängigkeit kann da sicher nicht schaden.

 

 

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Die neue Immobilien-Börse für den Nordkreis Diepholz und den Bremer Süden

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